30 Jahre im Dienst bei der Deutschen Post - eine Bautzenerin blickt zurück

Frühmorgens, wenn die Straßen in Bautzen noch ruhig waren, begann für sie der Arbeitstag. Drei Jahrzehnte lang arbeitete die heute 67- Jährige bei der Deutschen Post.

Als sie im April 1992 bei der Deutschen Post anfing, war alles neu. Die Abläufe, die Zahlen, die Verantwortung. ,,Ich war an meinem ersten Tag völlig überfordert. Es war sehr stressig und ich war sehr ängstlich", erinnert sich die 67- jährige Bautznerin. 30 Jahre lang blieb sie dem Unternehmen treu. Vom ungelernten Einstieg als Breifverteilerin bis zur Gruppenführerin.
Eigentlich hatte sie sich ihren Berufsweg anders vorgestellt. Doch nachdem ihr damaliger Betrieb Insolvenz anmelden musste, entdeckte sie eine Zeitungsannonce der Post und wagte den Neuanfang. ,,Ich habe bei null angefangen", sagt sie rückblickend.
Mit der Zeit wuchs sie jedoch in ihre Aufgaben hinein. In den Anfangsjahren arbeitete sie häufig Spätschicht, später übernahm sie Frühdienste. Briefe sortieren, Sendungen vorbereiten, Zusteller koordinieren. Der Alltag war strukturiert, aber fordernd.
Besonders der Teamzusammenhalt sei ihr in Erinnerungen geblieben. ,,Wir haben Hand in Hand gearbeitet", sagt sie. Man habe sich gegenseitig unterstützt, wenn es eng wurde.
Im Laufe der Jahre übernahm sie mehr Verantwortung und arbeitete sich zur Gruppenführerin hoch. Sie teilte Mitarbeiter ein, koordinierte Abläufe und behielt den Überblick über die Zustellung. ,,Ich bin mit meinen Aufgaben gewachsen", sagt sie rückblickend.
Auch die Herausforderungen gehörten dazu. Schlechte Witterungen, glatte Straßen im Winter und Überstunden seien keine Seltenheit gewesen. ,,Bei Schnee und Eis war es besonders anstrengend". Dennoch habe man immer versucht, die Post pünktlich auszuliefern.
Im Laufe der Jahre veränderte sich der Arbeitsalltag spürbar. Während zu Beginn vor allem Briefe und kleinere Werbesendungen sortiert wurden, nahm der Paketverkehr stetig zu. ,,Früher waren es hauptsächlich Briefe. Heute sind viel mehr Pakete", sagt sie. Mit der Umstellung ging auch ein Wechsel in ein anderes Zentrum einher. Neue Strukturen. Neue Abläufe.Gleichzeitig wurde der Beruf anspruchsvoller. ,,Der Zeitdruck ist größer geworden", erinnert sie sich. Häufig habe Personalmangel geherrscht, Ausfälle durch Krankheiten hätten dazu geführt, dass Arbeit auf weniger Schultern verteilt wurde. ,,Man hat oft die Arbeit von zwei Leuten gemacht." Der Job sei dadurch körperlich und organisatorisch fordernder geworden.
Trotzdem überwiegen in ihrer Erinnerung die positiven Momente. Besonderes der Zusammenhalt im Team sei etwas gewesen, das sie geschätzt habe. Firmenfeiern, gemeinsames Essen oder Wanderungen stärkten das Miteinander. ,,Man war nicht nur Kollegen, sondern auch ein Stück weit Freund", erzählte sie.
Als sie im Dezember 2022 nach 30 Jahren in Rente ging, sei es ein emotionaler Moment gewesen. ,,Es war schon traurig", sagte sie. Der Abschied von Kolleginnen und Kollegen, mit denen sie viele Jahre zusammengearbeitet hatte, habe Tränen gekostet. Dennoch bereue sie ihre Entscheidung nicht. ,,Der Schichtdienst war sehr anstregend."
Heute genießt sie ihren Ruhestand. Die erste Zeit habe sie die Arbeit noch vermisst, inzwischen widmet sie sich ganz ihrem Privatleben und ihrer Familie. Auf die Frage, ob sich sich wieder für die Post entscheiden würde, antwortet sie ohne Zögern: ,,Ja trotz allem. Man kommt mit vielen Menschen zusammen und lernt fürs Leben."
Drei Jahrezehnte bei der Post haben sie geprägt. Beruflich so wie persönlich. Für die 67- jährige Bautznerin war es mehr als nur ein Arbeitsplatz. Es war ein Lebensabschnitt, der sie wachsen ließ.

 

Bautzen, den 17.03.2026 --> geschrieben von Schuster