Der unsichtbare Handwerker hinter der großen Bühne

Hinter den Kulissen des Bautzener Volkstheaters sorgt ein Bühnenhandwerker mit rauen Händen und viel Gelassenheit für den reibungslosen Ablauf.

Im leeren Theater ist es im Moment dunkel und es wirkt fast verlassen. Wo abends hunderte Zuschauer sitzen, herrscht jetzt Stille. Überall stehen schwere Geräte, Scheinwerfer und Tontechnik herum. Haufenweise Kabel für Licht und Musik ziehen sich quer durch den Raum. Mittendrin, in der großen Werkstatt des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters Bautzen, riecht es intensiv nach frischem Holz, Lack und Farbe. Hier steht ein Mann in schlichter Alltagskleidung, an der noch ein paar Holzsplitter haften. Seine Hände sind trocken und rau von der täglichen Arbeit mit Säge und Hammer. Trotz des großen Pensums strahlt der erfahrene Bühnenhandwerker eine tiefe, routinerte Gelassenheit aus. Ihn bringt so schnell nichts aus der Ruhe.
Aktuell arbeitet er an einem großen Projekt: Dem Bautzener Sommertheater. Draußen auf der Freilichtbühne soll bald das Stück „Spuk von Draußen“ anlaufen. Dafür müssen komplette Häuser gebaut werden. Die wichtigste Vorgabe dabei ist klar: „Die Sicherheit der Schauspieler muss in jedem Fall gewährleistet sein“, betont er. Das bedeutet jede Menge präzises Handwerk und vollen körperlichen Einsatz. Es ist ein echter Knochenjob. Der Außendienst in der Umgebung, der ständige Auf- und Abbau und lange Arbeitstage von zehn bis zwölf Stunden gehören für ihn ganz normal dazu.
Die Zuschauer bekommen von all dem Schweiß meistens nichts mit. Sie sehen am Abend nur die Schauspieler im Rampenlicht und die fertige Kulisse. Dass im Hintergrund eine eigene Welt existiert, vergessen viele. Dem Bühnenbauer macht das nichts aus. Ihn erfüllt es einfach mit Stolz, wenn das Publikum so zahlreich kommt. Jedes Lob und positive Kritiken spornen das gesamte Team an.
Wie stressig es hinter den Kulissen werden kann, zeigt ein Rückblick auf sein bisher schwierigstes und verrücktestes Stück: „Die Olsenbande“. Damals musste die komplette, massive Kulisse in gerade einmal drei bis fünf Minuten umgebaut werden. Außerdem musste alles so konstruiert sein, dass der legendäre Chevrolet der Bande auf engstem Raum sicher fahren konnte. In solchen Momenten zählt jede Sekunde und jeder Handgriff muss blind sitzen. Der Bühnenbauer weiß genau, wie viel an ihm hängt: „Ein falscher Handgriff und die gesamte Vorstellung würde schief gehen.“
Trotz des harten Alltags und des Zeitdrucks bleibt das Theater für ihn ein ganz besonderer Ort – vor allem wegen der engen Zusammenarbeit mit den Kollegen. Für den Handwerker steht fest: „Die Theaterstücke auf der Bühne vor dem Publikum sind nur ein kleines Wunder. Das große Wunder passiert hinter der Bühne. Das, was das Publikum auf der kleinen Bühne nicht sieht. Es sind nicht die Schauspieler, die eine große Leistung bringen müssen, sondern die Menschen, deren Gesichter man nicht sieht, sodass alles wie ein Film passieren kann.“